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English
Az:10 Sch 01/05
Vorhergehendes Az:
Gericht:OLG Naumburg
Datum:20.05.2005
Fundstelle:SchiedsVZ 2006, 103 mit Anmerkung von Erwin Deutsch
Siehe auch:
Permalink:http://www.dis-arb.de/de/47/datenbanken/rspr/olg-naumburg-az-10-sch-01-05-datum-2005-05-20-id456

Stichworte:
Aufhebungs-/Anerkennungs-/Vollstreckbarerklärungsverfahren: - Schiedsspruch, inländisch; - Aufhebung Aufhebung-/Versagungsgründe: - Unwirksamkeit/Ungültigkeit der Schiedsvereinbarung Schiedsvereinbarung: - Abgrenzung, Schlichtung

ยงยง:
§ 133 BGB, § 154 BGB, § 157 BGB § 1040 Abs. 3 Satz 2 ZPO, § 1059 Abs. 2 Nr. 1 a ZPO

Leitsätze:
Auslegung einer Streitbeilegungsklausel Schlichtung zeichnet sich im Gegensatz zur neutralen Entscheidungskompetenz des Schiedsgerichts dadurch aus, dass ein neutraler Dritter ohne eigene Entscheidungskompetenz sich bemüht, den freiwillig verhandelnden Parteien zu einer Einigung zu verhelfen, wobei eine starre Definition nicht herangezogen werden kann (MünchKomm/Münch, ZPO, 2. Aufl., vor § 1025 ff. ZPO, Rn. 12). (Ls. d. Red.)

English Summary:
Higher Regional Court (OLG) of Naumburg, Decision of 20 May 2005 - 10 Sch 01/05 Interpretation of an inconsistent dispute resolution clause R u l i n g: Without referring to any strict definition, conciliation, as opposed to the neutral decision-making competence of an arbitral tribunal, is marked by the fact that a neutral third person, without decision-making competence, seeks to help the parties negotiating voluntarily to achieve a settlement. F a c t s: The parties concluded an agreement on the construction of 21 wind power plants. Section 15 sub. 1 of the project-management contract ("Generalübernahmevertrag") provided that disputes should "at first" ("zunächst") be decided by conciliation and that for that purpose an arbitration agreement ("Schiedsvertrag") was to be concluded, which was to be attached to the contract. In case disputes could not be resolved in the manner provided for in the arbitration agreement, they were to be referred to the Regional Court of Magdeburg. On the same date, the parties concluded a separate arbitration agreement, termed "Schiedsvertrag zum Generalübernahmevertrag", which provided that all disputes arising out of the contract for the acquisition of the wind power park were to be settled by an arbitral tribunal without recourse to the ordinary courts. On 24 Feb. 2003, the respondent filed a claim with the Regional Court of Magdeburg for partial payment of 25.000 €, which it withdrew when the claimant invoked the arbitration agreement and the Regional Court indicated that it considered the arbitration agreement to be valid. In October resp. December 2003, the parties concluded an agreement with D., S. and R. as arbitrators. (The current respondent was claimant in that arbitration, and the current claimant was respondent.) The arbitral tribunal issued a partial award, which the current claimant seeks to enforce in the present proceedings. The current respondent considers that there is no valid arbitration agreement. G r o u n d s: The Higher Regional Court of Naumburg held that the application for the declaration of enforceability of the arbitral award was to be refused and set aside the award. The agreement between the parties did not constitute an arbitration agreement for the purposes of Sec. 1025 et seq. Code of Civil Procedure (ZPO). It was not shown that the parties had intended to exclude the jurisdiction of the ordinary courts. The agreement of the parties did not provide for an - otherwise admissible - choice between the ordinary courts and arbitration. Section 15 of the project-management contract could only be understood to mean that the parties had not intended to exclude access to the ordinary courts. Though the supplementary agreement of the same date constituted in itself a valid arbitration agreement, this agreement was in contradiction to Sec. 15. The parties themselves were not in agreement as to their understanding of these two conflicting provisions. Neither the withdrawal of the claim before the Regional Court by the current respondent (which could have been motivated by the desire to seek an amicable settlement), nor its subsequent filing of a claim before the arbitral tribunal constituted a conclusive indication that it had accepted the jurisdiction of the arbitral tribunal for the purposes of Sec. 1025 et seq. ZPO. The arbitrators' agreement concluded showed that the respondent did not consider that the arbitral tribunal had exclusive jurisdiction. It had deleted a passage to that effect in the arbitrators' agreement. Furthermore, the chairman of the arbitral tribunal himself had referred to the contradiction between the two relevant dispute clauses. Thus the Higher Regional Court had to interpret the constructive intention of the parties on the basis Sec. 133, 154 and 157 Civil Law Code (BGB). It arrived at the conclusion that having regard to all relevant circumstances the dispute resolution agreements of the parties constituted a conciliation clause which did not exclude access to the ordinary courts.

Volltext:
B E S C H L U S S: Der Antrag der Antragstellerin auf Vollstreckbarerklärung des Teilschiedsspruchs vom 16. Dezember 2004 in der Fassung des Berichtigungsbeschlusses vom 8. April 2005 wird abgelehnt. Der Teilschiedsspruch vom 16. Dezember 2004 in der Fassung des Berichtigungsbeschlusses vom 8. April 2005 wird aufgehoben. Die Kosten des Verfahrens trägt die Antragstellerin. G r ü n d e: Die Parteien schlossen unter dem 22. März 2001 einen als Generalübernahmevertrag bezeichneten Vertrag. Die Antragsgegner hatte bereits Planungsleistungen für die Errichtung von 21 Windkraftanlagen in den Gemeinden Q.und B. erbracht. Die Antragstellerin erwarb durch den Vertrag die komplette Planung des Windparks einschließlich aller notwendigen Dienst- und Werkleistungen zu einem Festpreis von 31.750.000,00 DM netto. Unter § 15 des Vertrags schlossen die Parteien eine gesondert unterschriebene Vereinbarung mit dem folgenden Inhalt: "§ 15 Schiedsklausel/Gerichtsstand (1) Sollte es zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer Streitigkeiten bezüglich der Arbeiten oder der die Arbeiten betreffenden Vereinbarungen, einschließlich des vorliegenden Vertrages geben, versuchen Auftraggeber und Auftragnehmer zunächst, diese mit Hilfe von Schlichtern zu entscheiden. Hierzu schließen Auftraggeberin und Auftragnehmer einen Schiedsvertrag ab, welcher als Anlage 12 diesem Vertrag anliegt. (2) Hat es sich erwiesen, dass sich die Streitigkeiten mit Hilfe der Schlichtung wie im Schiedsvertrag beschreiben, nicht beilegen lassen oder sollte sich der Schiedsvertrag als unwirksam erweisen, werden die Streitigkeiten, gleich aus welchem Rechtsgrund, in erster Instanz durch das Landgericht Magdeburg entschieden. (3) ..." Wegen des weiteren Inhalt des Vertrags wird auf BI. 3 ff. d.A. Bezug genommen. Ebenfalls unter dem 22. März 2001 schlossen die Parteien einen als Schiedsvertrag zum Generalübernahmevertrag bezeichneten Vertrag. § 1 dieses Vertrags hat folgenden Wortlaut: "Zuständigkeit des Schiedsgerichts: (1) Alle Streitigkeiten, die zwischen den Vertragsparteien aufgrund des zwischen diesem abgeschlossenen Vertrages über den Erwerb des Windparks in Q.-B. mit Wirksamkeit zum 22. März 2001 ergeben, werden (unter Ausschluss des ordentlichen Rechtsweges) durch ein Schiedsgericht entschieden. Dies gilt auch für Streitigkeiten über die Wirksamkeit einzelner Vertragsbestimmungen oder etwaiger Nachträge sowie für Meinungsverschiedenheiten über die Rechtmäßigkeit oder Angemessenheit der vorgesehenen schiedsgutachterlichen Entscheidungen. (2) Das Schiedsgericht ist auch zuständig für Streitigkeiten über die Wirksamkeit und Auslegung dieses Schiedsvertrages." Wegen des weiteren Inhalts des Schiedsvertrags wird auf BI. 16 ff. d.A. Bezug genommen. Mit am 24. Februar 2003 bei dem Landgericht Magdeburg eingegangenen Schriftsatz erhob der Antragsgegner Klage auf Zahlung eines Teilbetrags in Höhe von 25.000,00 Euro aus seiner entsprechend § 7 des Grundvertrags vorgesehenen 5. Teilrechnung vom 2. September 2002 über 572.316,40 Euro brutto. Die hiesige Antragstellerin erhob nach Klagezustellung die Rüge der Einrede des Schiedsvertrags. In der mündlichen Verhandlung vom 8. Mai 2003 wies das Gericht darauf hin, dass es dazu neige, die Schiedsgerichtsvereinbarung für wirksam zu halten. Noch in der mündlichen Verhandlung nahm der hiesige Antragsgegner die Klage zurück. Wegen der Einzelheiten wird auf die zu Informationszwecken beigezogene Akte des Landgerichts Magdeburg, Geschäftszeichen 6 O 393/03 Bezug genommen. Mit Unterschriften des Antragsgegners als Schiedskläger und der Antragstellerin als Schiedsbeklagten vom 28. Oktober 2003 und 19. Dezember 2003 schlossen die Parteien mit Prof. Dr. D., Rechtsanwalt S. und Rechtsanwalt Dr. R. als Schiedsrichtern einen Schiedsrichtervertrag. Wegen des Vertrags wird auf BI. 214 ff. d.A. Bezug genommen. Am 16. Dezember 2004 fand vor dem Schiedsgericht eine mündliche Verhandlung statt. Im Anschluss verkündete das Schiedsgericht den hier in Rede stehenden Teilschiedsspruch. Wegen des Protokolls wird auf BI. 22 f. d.A., wegen des Teilschiedsspruchs wird auf BI. 24 ff. d.A. Bezug genommen. Die Antragstellerin ist der Auffassung, zwischen den Parteien sei eine wirksame Schiedsklausel vereinbart worden. Nur die im Hauptvertrag gewählte Formulierung "zunächst" spreche dafür, dass der staatliche Rechtweg durch das Schiedsverfahren nicht ausgeschlossen sein solle. In § 1 des Schiedsvertrags hätten die Parteien aber gerade den Ausschluss des ordentlichen Rechtswegs vereinbart. Der Schiedsvertrag selbst habe Vorrang vor dem Hauptvertrag, da dieser separater Prozessvertrag und damit unabhängig vom Hauptvertrag sei. Zu berücksichtigen sei auch, dass der Antragsgegner seine vor dem Landgericht Magdeburg erhobene Klage nach Hinweis des Gerichts zurückgenommen habe. Aufhebungsgründe lägen nicht vor, insbesondere nicht die Voraussetzungen des § 1059 Abs. 2 Nr. 2 b ZPO. Selbst wenn dies der Fall wäre, dürfe dies nicht zur Überprüfung der sachlichen Richtigkeit des Schiedsspruchs führen, die es weder im Bereich des § 328 ZPO, noch im Bereich des § 1059 Abs. 2 ZPO gebe. Die Antragstellerin beantragt, den Teilschiedsspruch vom 16. Dezember 2004 in der Fassung des Berichtigungsbeschlusses vom 8. April 2005 für vollstreckbar zu erklären. Der Antragsgegner beantragt, den Antrag auf Erteilung der Vollstreckbarkeit des Teilschiedsspruchs vom 16. Dezember 2004 in der Fassung des Berichtigungsbeschluss vom 8. April 2005 zurückzuweisen und somit inzident festzustellen, dass er aufzuheben ist. Der Antragsgegner vertritt die Auffassung, der Teilschiedsspruch entspreche bereits nicht den Erfordernissen des § 1054 ZPO, denn es sei durch das Schiedsgericht nicht nachvollziehbar begründet worden, weshalb dieser zulässig und begründet sein solle. Durch das Schiedsgericht könne ohnehin keine endgültige Entscheidung getroffen werden, da - wie er behauptet - nach den Vereinbarungen der Parteien das Schiedsgericht nicht die ordentlichen Gerichte ausschließen solle. Auf die Möglichkeit, den Schiedsspruch durch ein ordentliches Gericht überprüfen zu lassen, habe er nicht verzichten wollen. Das Schiedsgericht habe sich auch, nicht mit seinem Verteidigungsvorbringen auseinandergesetzt und nur inhaltsleere Wendungen benutzt. Insbesondere habe sich das Schiedsgericht nicht mit seinem Hilfsantrag im Schriftsatz vom 20. Oktober 2004, Seite 9, befasst, mit dem er die hilfsweise die Verurteilung der Antragstellerin Zug um Zug gegen Erteilung einer Löschungsbewilligung der zu seinen Gunsten in den diversen Grundbüchern eingetragenen beschränkt persönlichen Dienstbarkeiten und Vormerkungen zur Sicherung des Rechts auf Bestellung einer beschränkt persönlichen Dienstbarkeit beantragt habe. Der Teilschiedsspruch sei aufzuheben, da insbesondere sein Anspruch auf rechtliches Gehör und der Grundsatz eines fairen Verfahrens verletzt worden sei. II. Der Antrag der Antragstellerin auf Vollstreckbarkeitserklärung ist zulässig. Die Zuständigkeit des beschließenden Senats ergibt sich aus § 1062 Abs.2 Nr.4 i.V.m. § 1060 Abs.2 ZPO. Der Antrag ist jedoch gemäß § 1060 Abs.2 ZPO unter Aufhebung des Teilschiedsspruchs abzulehnen, da ein in § 1059 Abs.2 ZPO bezeichneter Aufhebungsgrund vorliegt. Es ist nämlich davon auszugehen, dass zwischen den Parteien eine nach deutschem Recht wirksame Schiedsvereinbarung nicht besteht (§ 1059 Abs.2 Nr.1 lit. a ZPO). Der Antragsgegner, der sich vorliegend auf einen Aufhebungsgrund im Sinne des § 1059 ZPO beruft und dem die Darlegungs- und Beweislast für dessen Vorliegen obliegt (BGH, WM 1979, 1006, 1007 m.w.N.), hat diesen Nachweis erbracht. Im Schiedsverfahren befindet zwar zunächst das Schiedsgericht selbst über seine Zuständigkeit, und zwar entweder durch einen seine Zuständigkeit bejahenden Zwischenentscheid (§ 1040 Abs.3 S.1 ZPO) sowie - ausnahmsweise - im verfahrensabschließenden Schiedsspruch oder - negativ - durch eine die Schiedsklage als unzulässig abweisenden Prozessschiedsspruch (BGHZ 151, 79, 80 f.; amtliche Begründung, BT-Drucks. 13/5274 S. 26 und 44). Das letzte Wort hat jedoch gemäß § 1040 Abs.3 S.2 ZPO bzw. 1059 ZPO das staatliche Gericht. Da das Recht auf Zugang zu den staatlichen Gerichten, das sich aus dem Rechtsstaatsprinzip ergibt, und das Recht auf den gesetzlichen Richter Verfassungsrang haben (BGH, NZG 2000, 897, 898), ist Voraussetzung für eine Vollstreckbarkeitserklärung eines Schiedsspruchs durch den beschließenden Senat, dass sich der freie Wille der Parteien zur Unterwerfung unter den Spruch eines privaten Schiedsgerichts unter Verzicht auf die Entscheidung staatlicher Gericht eindeutig feststellen lässt. Die Parteien können sich nicht etwa vorbehalten, nach dem Schiedsverfahren ein staatliches Gericht anzurufen, das den Schiedsspruch überprüfen soll, wenn diese Überprüfung über das in § 1059 Abs. 2 ZPO gesetzlich ohnehin Geregelte hinausgeht (BGHZ 48, 25, 28; BB 1982, 1077; Münchener KommentarlMünch, ZPO-Kommentar, 2. Auflage, § 1029 Rn. 41 m.w.N.). Der Senat geht jedoch davon aus, dass es sich bei dem "Schiedsgericht", das vorliegend tätig geworden ist, nicht um ein Schiedsgericht im Sinne der §§ 1025 ff. ZPO handelt. Dies wäre - wie ausgeführt - nur dann der Fall, wenn die Parteien dem Schiedsgericht die Entscheidung des Rechtsstreits unter Ausschluss des Rechtswegs zu den staatlichen Gerichten zugewiesen hätten. Zwar hat sich in Rechtsprechung und Schrifttum die Auffassung durchgesetzt, dass eine Vereinbarung zulässig ist, nach der wahlweise entweder ordentliche Gerichte oder Schiedsgerichte über entstehende Streitigkeiten entscheiden sollen, in den behandelten Fällen war die wahlweise Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte oder der Schiedsgerichte aber ausdrücklich festgelegt und klar abgegrenzt, so dass von vornherein eindeutig erkennbar war, in welchen Fällen die ordentlichen Gerichte ausschließlich und endgültig entscheiden sollten und in welchen Fällen die Zuständigkeit der Schiedsgerichte gelten sollte (BGH, NJW 1992, 575 f.; Stein/Jonas/Schlosser., ZPO-Kommentar, 22. Auflage, § 1029 ZPO Rn. 15). Um eine solche eindeutige Vereinbarung einer wahlweisen Zuständigkeit der Schiedsgerichte handelt es sich im vorliegenden Fall aber nicht. Vielmehr ergibt sich aus § 15 des Generalübernahmevertrags, dass zunächst lediglich versucht werden sollte, Streitigkeiten von Schlichtem entscheiden zu lassen. Sollte es sich erweisen, dass sich die Streitigkeiten nicht beilegen lassen, sollte das Landgericht Magdeburg zur Entscheidung berufen sein. Diese Bestimmung kann für sich betrachtet nur so verstanden werden, dass in allen Streitfällen aus dem Generalübernahmevertrag der Weg zum ordentlichen Gericht offen bleiben sollte. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Parteien in dem gesonderten Schiedsvertrag, der als Anlage 12 dem Generalübernahmevertrag beigefügt worden ist, eine Regelung getroffen haben, die im Widerspruch zu § 15 des Generalübernahmevertrags steht. § 1 Abs. 1 des Schiedsvertrags enthält nämlich die Bestimmung, dass das Schiedsgericht unter Ausschluss des ordentlichen Rechtswegs zu entscheiden habe, was für sich betrachtet auf eine ausschließliche Zuständigkeit des Schiedsgerichts hindeuten und eine wirksame Schiedsabrede darstellen würde. Die Parteien haben keinerlei Vortrag zu der Frage getätigt, ob dieser Widerspruch Gegenstand der Vertragsverhandlungen war und in welcher Weise er seinerzeit erörtert worden ist. Dass die Parteien ihre Vorstellungen von ihrem Verständnis des Verhältnisses zwischen § 15 des Generalübernahmevertrags und dem gesonderten Schiedsvertrag seinerzeit erörtert haben, ist nicht ersichtlich und von den Parteien dargelegt worden. Aus dem Parteivorbringen kann vorliegend ein übereinstimmender Wille im Hinblick auf die Frage des Inhalts von § 15 des Generalübernahmevertrags in Verbindung mit dem gesonderten Schiedsvertrag nicht entnommen werden. Bei einer Vertragsauslegung geht ein übereinstimmender Wille der Parteien jeder anderweitigen Interpretation vor. Ergibt sich aus dem Vorbringen der Parteien im Verfahren, dass sie eine Erklärung in einem bestimmten Sinn verstanden haben, so hat der Richter dementsprechend von dem gemeinsamen Verständnis der Parteien auszugehen (Soergel/Hefermehl, BGB-Kommentar, 12. Auflage, § 133 BGB, Rnrn. 17, 35; Soergel/Wolf, aaO., § 157 BGB, Rn. 16). Wegen dieser Unklarheiten ist es erforderlich gemäß §§ 133, 154 BGB eine Auslegung zur Erforschung des von den Parteien Gewollten vorzunehmen. Gemäß § 133 BGB ist bei der Auslegung einer Willenserklärung der wirkliche Wille zu erforschen und nicht an dem buchstäblichen Sinne des Ausdrucks zu haften. Gemäß § 157 BGB sind Verträge so auszulegen, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern. Bei der Auslegung ist insbesondere die Berücksichtigung des Wortlauts der Erklärungen, der Begleitumstände und der Interessenlage der Parteien zu berücksichtigen (BGH, NJW 2002, 1260). Aus dem zwischen den Parteien am Tag des Abschlusses des Generalübernahmevertrags vom 22. März 2001 ebenfalls getroffenen Schiedsvertrag ergibt sich jedoch nicht der Ausschluss der in § 15 des Generalübernahmevertrags vorhandenen Regelungen. Die in § 1 Abs. 1 des Schiedsvertrags vorhandene Bestimmung zum Ausschluss des ordentlichen Rechtswegs kann unter Heranziehung des § 15 des Generalübernahmevertrags auch so ausgelegt werden, dass der Ausschluss nur während der Zeit der Anhängigkeit des Schiedsverfahrens gelten seilte, also "zunächst". Grundsätzlich hätte es den Parteien gemäß § 1029 Abs. 2 ZPO frei gestanden, eine Schiedsvereinbarung entweder in Form einer selbständigen Vereinbarung oder in Form einer Klausel in einem Vertrag zu schließen. Vorliegend haben die Parteien letztlich von beiden Varianten Gebrauch gemacht, denn sie haben sowohl im Generalübernahmevertrag als auch gesondert eine Schiedsvereinbarung getroffen. Es kann aber entgegen der Auffassung der Antragstellerin ohne weitere Anhaltspunkte nicht angenommen werden, dass die separaten Regelungen im Verhältnis der Über-/Unterordnung oder gar in einem Ausschlussverhältnis zueinander getroffen worden sind. Vielmehr zeigt der Hinweis auf den gesonderten Schiedsvertrag in § 15 Abs.1 des Generalübernahmevertrags, dass diese mit der Ursprungsregelung nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich im Zusammenhang erblickt werden soll. § 15 Abs.2 des Generalübernahmevertrags ist räumlich nach dem Hinweis auf den Schiedsvertrag angeordnet und enthält für den Fall, dass sich die Streitigkeiten mit Hilfe der Schlichtung wie im Schiedsvertrag beschrieben, nicht beilegen lassen, die Zuständigkeitsbestimmung zu Gunsten des Landgerichts Magdeburg. Ferner ist zu berücksichtigen, dass die Parteien in § 15 des Generalübernahmevertrags zum einen den Begriff des Schlichters und zum anderen den Begriff der Schlichtung verwendet haben. Ob diese Begriffe inhaltlich bewusst oder nur unbewusst benutzt worden sind, kann nicht festgestellt werden. Jedenfalls spricht die Wortwahl dafür, dass die Parteien nur einen Schlichtungsversuch, nicht jedoch eine endgültige Streitbeilegung durch ein Schiedsgericht wünschten oder schlicht keine Kenntnis von den rechtlichen Konsequenzen der benutzten Begrifflichkeiten hatten. Der Auffassung der Antragstellerin, wonach ein Widerspruch zwischen Haupt- und Schiedsvertrag nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs in der Weise zu lösen sei, dass der betreffenden Schiedsvertragsklausel der Vorrang einzuräumen sei, kann nicht gefolgt werden. In der unter Bezug genommenen Entscheidung des Bundesgerichtshofs (NJW 1969, 1536 f.) stand ein Fall zur Entscheidung an, in dem vordergründig Widersprüche zwischen Lieferbedingungen der einen Seite und Auftragsbestätigungen der anderen Partei gegeben waren. Ferner hatten die Partei in dem in Rede stehenden Fall von einer Schiedsklausel übereinstimmend keinen Gebrauch gemacht und vor einem ausländischen staatlichen Gericht verhandelt. Vorliegend ist der beschließende Senat aber gerade deshalb zur Entscheidung gemäß § 1063 Abs. 2 ZPO berufen, weil sich die Parteien im Hinblick auf die Frage der Auslegung der schiedsgerichtlichen Abreden nicht einig sind. Auch die Klagerücknahme der Teilklage durch den Antragsgegner ist kein Umstand, der zwingend eine Auslegung der Schiedsvereinbarung im Sinne des Antragstellervortrags zulässt. Es sind vielerlei Gründe denkbar, die den Antragsgegner zu diesem Vorgehen veranlasst haben könnten. Die Kammer hatte ihre vorläufige Rechtsauffassung zur Zuständigkeitsfrage geäußert, so dass der Antragsgegner sich durchaus veranlasst sehen konnte, zur Vermeidung weiterer Kosten und unnötiger Verzögerungen den Versuch einer außergerichtlichen Streitbeilegung zu unternehmen. Es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich und von der Antragstellerin dargelegt worden, die aus damaliger Sicht den Schluss auf eine Aussichtslosigkeit dieses Versuchs zugelassen hätten. Aus diesen Gründen spricht auch der Umstand, dass der Antragsgegner Klage vor dem Schiedsgericht erhoben hat, nicht zwingend dafür, dass er dieses als Schiedsgericht im Sinne der §§ 1025 ff. BGB akzeptiert hatte. Vielmehr zeigt der Abschluss des Schiedsrichtervertrags, dass jedenfalls der Antragsgegner nicht von der unbeschränkten Zuständigkeit eines Schiedsgerichts für Streitigkeiten aus dem Vertrag ausging. Der Antragsgegner strich nämlich in dem Schiedsrichtervertrag den Satz, der sich auf die Anerkennung der Zuständigkeit des Schiedsgerichts bezog, wie sich aus dem Schreiben des Vorsitzenden des Schiedsgerichts vom 16. Januar 2004, BI. 219 d.A., ergibt. Diesem Schreiben ist auch zu entnehmen, dass der Vorsitzende des Schiedsgerichts, Prof. Dr. D., den Widerspruch zwischen § 15 des Generalübernahmevertrages und dem gesonderten Schiedsvertrag im Sinne einer Abgrenzung zwischen Schlichtungsverfahren und Schiedsverfahren erkannt hat. Dafür, dass der Antragsgegner gegenüber dem Schiedsgericht zu irgendeiner Zeit deutlich gemacht hat, dass er von dem Abschluss einer wirksamen Schiedsabrede im Sinne des § 1029 ZPO ausgeht, sind keine Anhaltspunkte ersichtlich und von dem Antragsteller dargelegt worden. Schließlich ist auch zu berücksichtigen, dass die Antragstellerin selbst zur Zeit der Anhängigkeit des Rechtsstreits vor dem Landgericht Magdeburg den Ausschluss der ordentlichen Gerichtsbarkeit nicht als vereinbart angesehen hatte. Mit anwaltlichem Schriftsatz vom 18. März 2003 führte die Antragstellerin aus, dass erst nach Erfolglosigkeit eines Schlichtungsverfahrens die Zuständigkeit des ordentlichen Gerichts gegeben wäre. Diesbezüglich wird auf BI. 43 f. der beigezogenen Akten Bezug genommen. Die Gesamtwürdigung aller für die Auslegung maßgeblichen Umstände führt nach alledem dazu, die in Rede stehenden Vereinbarungen als eine Schlichtungsabrede zu qualifizieren. Schlichtung zeichnet sich im Gegensatz zur neutralen Entscheidungskompetenz der Schiedsgerichtsbarkeit dadurch aus, dass ein neutraler Dritter ohne eigene Entscheidungsgewalt sich bemüht, den freiwillig verhandelnden Parteien zu einer Einigung zu verhelfen, wobei eine starre Definition nicht herangezogen werden kann (Münchener Kommentar/Münch, ZPO-Kommentar, 2. Auflage, vor § 1025 ff. ZPO, Rn. 12). Vorliegend haben die Parteien zwar eine Entscheidungsbefugnis des Schiedsgerichts vereinbart, indes hindert dies die Parteien - wie ausgeführt - nicht, die ordentliche Gerichtsbarkeit anzurufen, denn ein fehlender Schlichtungsversuch könnte allenfalls dazu führen, eine etwaige Klage als zur Zeit unzulässig abzuweisen (vgl. BGH, NJW 1984, 669, 670; OLG Köln, MDR 1990, 638; Münchener Kommentar, a.a.O.). Nur ergänzend sei bemerkt, dass dies vorliegend bereits deshalb nicht in Betracht kommen dürfte, weil in Ansehung des Streitinhalts und des bisherigen Verlaufs nicht zu erwarten ist, dass eine weitere Tätigkeit des "Schiedsgerichts" zur Befriedung der Parteien führen könnte. Nach alledem ist der Antrag der Antragstellerin auf Vollstreckbarerklärung des Teilschiedsspruchs gemäß § 1060 Abs.2 ZPO abzulehnen und dieser aufzuheben. Insbesondere steht der Aufhebung des Teilschiedsspruchs nicht gemäß § 1060 Abs. 2 S. 3 ZPO entgegen, dass die Frist gemäß § 1059 Abs.3 ZPO für einen Aufhebungsantrag abgelaufen ist, denn diese beträgt drei Monate ab Empfang des Schiedsspruchs. Die Kostenentscheidung findet ihre Grundlage in § 91 ZPO.
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